Lohnt sich der Einstieg in die Riester-Rente noch?
Dieses Jahr werde ich 31 Jahre alt. Es ist für mich erschreckend, wie schnell die Jahre vergangen sind und viele von Ihnen werden sich bestimmt denken: Dieses Mädchen sorgt bestimmt noch nicht für die Rente vor. Das stimmt so nicht, denn meine Eltern haben mir stets auf den Weg gegeben, dies zu tun. Doch eine Art der Vorsorge habe ich nicht ernst genommen, und zwar die Riester-Rente.
Warum nicht? Weil ich mich bewusst gegen diese Art der Vorsorge entschieden habe. Stattdessen setze ich auf eine betriebliche Altersvorsorge und eine ETF-Rentenversicherung.
Für mich passt das besser. Aber ist das für jeden die richtige Entscheidung? Und was passiert mit all jenen, die bereits eine Riester-Rente abgeschlossen haben? Immerhin wird diese ab Januar 2027 abgeschafft und lohnt es sich überhaupt jetzt noch, eine Riester-Rente abzuschließen? Das alles und vieles mehr erfahren Sie in diesem Beitrag.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ab Januar 2027 ist Riester Geschichte. Eine neue staatlich-geförderte Vorsorgeform wird diese ersetzen.
- Noch bis Ende 2026 kann ein Riester-Vertrag abgeschlossen werden.
- Bestehende Verträge genießen vollen Bestandsschutz, das bedeutet, es gibt keine Zwangskündigung.
- Für wen sich die Riester-Rente noch lohnt: Geringverdiener mit Kindern sowie Personen mit niedrigem Eigenanteil.
- Für Personen, die kurz vor der Rente sind, lohnt sich die Riester-Rente nicht. Das Altersvorsorgedepot ab 2027 ist beschlossen. Dieses ist ETF-basiert, staatlich gefördert und deutlich flexibler als die Riester.
Was ist die Riester-Rente eigentlich?
Bei der Riester-Rente handelt es sich um eine private Altersvorsorge, die im Jahr 2002 eingeführt und nach Bundesarbeitsminister Walter Riester benannt wurde. Die ursprüngliche Idee hinter dieser Altersvorsorge war gut: Der Staat fördert private Altersvorsorge durch Zulagen und Steuervorteile, um die sinkende gesetzliche Rente auszugleichen.
Dabei bekommt jemand, der vier Prozent seines Bruttoeinkommens des Vorjahres einzahlt, vom Staat eine Grundzulage von 175 Euro. Für jedes kindergeldberechtigte Kind gibt es 300 Euro – beziehungsweise 185 Euro, wenn das Kind vor 2008 geboren wurde.
Klingt gut. Und für manche war es das auch. Aber das Problem?
Warum ist die Riester-Rente umstritten?
Zu hohe Abschluss- und Verwaltungskosten, zu wenig Rendite. Das sind die Kritikpunkte der Mehrheit. Doch was viele nicht wissen: Walter Riester selbst hat die hohen Kosten früh kritisiert. In einem SPIEGEL-Interview erklärte er, dass die Riester-Rente ursprünglich als Pflichtversicherung geplant war. Das bedeutet, es wäre ein ein System, in das jeder automatisch einzahlt, ähnlich wie in die gesetzliche Rentenversicherung. Hätte die damalige Regierung das durchgesetzt, wären die hohen Abschluss- und Verwaltungskosten privater Anbieter gar nicht erst entstanden.
Doch im Juni 1999, als die Reform noch in Planung war, titelte die BILD-Zeitung: „Zwangsrente Riester – Wutwelle rollt auf Bonn“. Bonn war damals noch der Regierungssitz. Die Schlagzeile löste einen Sturm der Entrüstung aus, und die Regierung knickte ein, sodass aus der Pflichtversicherung eine freiwillige Zusatzrente wurde.
Und damit öffnete sich die Tür für genau das, was Verbraucherschützer seitdem kritisieren: zu hohe Kosten, zu wenig Rendite, zu kompliziert. Das Ergebnis kennen wir. Die Idee war gut. Die Umsetzung war es nicht.
Die hohen Kosten waren für mich der Grund, weshalb ich mich gegen die Riester entschieden habe. Mit 31 will ich, dass mein Geld wirklich für mich arbeitet und nicht für die Verwaltungsgebühren. Die Kombination aus einer betrieblichen Altersvorsorge und ETF-Rentenversicherung passt besser zu mir. Riester hat sich für mich schlicht nicht gerechnet.
Warum die Riester-Rente 2026 trotzdem sinnvoll sein kann
Die Riester-Rente wird abgeschafft, das wissen wir bereits. Dennoch kann sie für einige noch immer sinnvoll sein. Für wen sie sich noch heute lohnt und für wen nicht, verrate ich im Folgenden.
Für wen sie sich lohnen kann:
Die Riester-Rente lohnt sich vor allem für Personen, die wenig Einkommen haben sowie für Familien mit mindestens zwei Kindern. In diesen Fällen übernimmt der Staat womöglich einen Großteil der Beiträge und der eigene Eigenanteil bleibt vergleichsweise gering.
Aber auch hier lohnt ein genauer Blick auf die Kosten des jeweiligen Vertrags.
Für wen sich die Riester nicht lohnt:
Wer schon in wenigen Jahren in Rente geht, sollte besser auf andere Lösungen setzen, denn die hohen Kosten machen die Rendite bei kurzer Laufzeit nicht rentabel.
Zudem lohnt sich ein ETF-Sparplan weitaus mehr für Personen, die:
- keine Kinder haben,
- gut verdienen und
- flexibel bleiben wollen.
Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?
Das fragen sich gerade Millionen Deutsche, denn rund 10 Millionen Riester-Verträge laufen aktuell noch. Die gute Nachricht:
Bestehende Riester-Verträge genießen vollen Bestandsschutz. Es gibt keine automatische Kündigung, keine Zwangsumwandlung, keine Entwertung.
Es stehen grundsätzlich drei Optionen zur Verfügung:
- weiterführen
- ins Altersvorsorgedepot übertragen
- beitragsfrei stellen und parallel ein neues Altersvorsorgedepot eröffnen
Was wichtig ist und das kann ich nicht oft genug sagen: Kündigen Sie Ihre Riester nicht, da bei einer Kündigung sämtliche Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden müssen.
Ein Wechsel lohnt sich besonders bei Fondssparplan-Verträgen: Im Altersvorsorgedepot gibt es keine Garantiepflicht mehr und man kann bis zu 100 Prozent in Aktien-ETF investieren. Wer wechselt, zahlt maximal 150 Euro Wechselkosten.
Das neue Altersvorsorgedepot ab 2027
Ich habe jetzt bereits häufiger das Altersvorsogedepot erwähnt. Dieses wurde am 27. März 2026 vom Bundestag beschlossen und am 8. Mai 2026 vom Bundesrat gebilligt. Die Reform trat Ende Mai in Kraft und die Umsetzung erfolgt zum 1. Januar 2027.
Und ich sage das als jemand, der nie ein großer Fan der Riester-Rente war: Das klingt deutlich besser. Das neue Altersvorsogedepot soll folgende Vorteile mit sich bringen:
- Bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr, statt der bisherigen 175 Euro bei der Riester-Rente
- Steuerfreie Gewinne in der Ansparphase
- Freie Wahl zwischen lebenslanger Rente oder Auszahlplan bis 85
- Mindestbeitrag: 120 Euro pro Jahr. Das wären also 10 Euro im Monat.
- ETF-basiert (bis zu 100 Prozent Aktienquote möglich)
- Gedeckelte Kosten von maximal 1 %, statt 1,5–2 % bei der Riester
- 200 Euro Startbonus für unter 25-Jährige
- 175 Euro Geringverdiener-Bonus zusätzlich möglich
Bei 100 Euro monatlich und 25 Jahren Laufzeit steht im Altersvorsorgedepot rund doppelt so viel Vermögen zur Verfügung wie im alten Riester-Vertrag.
Das ist das, was Riester nie war: einfach, transparent und renditestark. Ich bin gespannt und werde es mir genau anschauen, sobald es verfügbar ist. Mehr über die strukturellen Probleme der gesetzlichen Rente: Gesetzliche Rente als Basisabsicherung.
Riester-Rente noch abschließen oder nicht? Was ich empfehle
Sie fragen sich, ob Sie im Jahr 2026 noch eine Riester-Rente abschließen sollten bzw. Ihre Riester weiterführen lassen sollten? Ich verrate Ihnen, was ich in jeder Lebenssituation tun würde. (Keine Gewähr, da dies lediglich meine persönliche Meinung ist). Holen Sie sich von dem Finanzberater Ihres Vertrauens Rat ein.
Sie sind unter 40:
- Sie sollten keine Riester-Rente abschließen.
- Das Altersvorsorgedepot ab 2027 ist die bessere Alternative, da es flexibel und renditestärker ist.
- Bis dahin: ETF-Sparplan oder betriebliche Altersvorsorge nutzen.
- Wer laufende Konsumschulden hat, sollte zuerst diese angehen. Eine Umschuldung schafft monatlich Spielraum für Vorsorge.
Wenn Sie zwischen 40 und 55 sind:
- Prüfen Sie, ob die Riester-Rente sich für Sie rechnet, besonders wenn Sie Kinder und ein geringeres Einkommen haben.
- Wenn nicht: betriebliche Altersvorsorge und ETF sind die besseren Alternativen.
- Das Drei-Säulen-Modell zeigt, wie man das sinnvoll kombiniert.
Sie sind über 55:
- Der Abschluss einer Riester-Rente lohnt sich in den meisten Fällen nicht mehr.
- Wer einen bestehenden Vertrag hat: nicht kündigen, sondern beraten lassen.
Riester-Rente 2026: Noch einsteigen oder nicht?
Für die meisten Menschen lautet meine ehrliche Antwort: warten. Das Altersvorsorgedepot ab 2027 ist besser. Da es flexibler, renditestärker und transparenter ist. Wer zur Zielgruppe von Riester gehört – Geringverdiener mit Kindern – sollte es sich genau ausrechnen lassen.
Und wer bereits einen Riester-Vertrag hat: nicht kündigen. In Ruhe prüfen, ob ein Wechsel ins Altersvorsorgedepot sinnvoll ist.
Ich habe mich damals gegen Riester entschieden und würde das heute wieder so machen. Aber jeder Fall ist anders. Und genau deshalb ist eine individuelle Beratung so wichtig.
Ich heiße Irini Diamanti und verbinde als SEO-Managerin bei der Hegner & Möller GmbH meine Leidenschaft aus SEO, Sprache und Finanzen. Zuvor sammelte ich Erfahrung im Journalismus und als Texterin. Dabei konnte ich meine Expertise in den Bereichen Politik, Sport, Medizin und Beauty vertiefen. In meiner Freizeit koche und backe ich leidenschaftlich gerne und genieße es, in spannende Bücher einzutauchen.