Rente mit 70? Ich bin Jahrgang 1995 meine Realität ist das nicht
Es ist Donnerstagmorgen, der 21.05.2026. Ich scrolle durch mein Handy, noch bevor ich aufgestanden bin. Zwischen Nachrichten über das Wetter und einem Meme über Montagsstimmung erscheint eine Schlagzeile: „Rente mit 70″. Ich lege das Handy weg. Starre an die Decke.
Ich bin Jahrgang 1995. Ich lebe mit einer chronischen Erkrankung. An manchen Tagen schaffe ich es kaum durch einen normalen Arbeitstag. Nicht weil ich nicht will, sondern weil mein Körper andere Pläne hat. Ich nehme täglich Medikamente ein und plane meine Tage und Wochen um meine Energie herum. Und irgendwo in Berlin sitzt eine Kommission und diskutiert, ob ich mit 70 noch arbeiten soll.
Ich verstehe, warum das System so denkt. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Mehr Rentner, weniger Beitragszahler sowie steigende Lebenserwartung. Dass das Renteneintrittsalter erhöht werden soll, ist reinste Mathematik.
Aber Mathematik kennt keine chronischen Erkrankungen. Sie kennt keine schlechten Tage und auch nicht die Millionen Menschen in Deutschland, die heute schon nicht so arbeiten können, wie das System es voraussetzt. Das ist kein Vorwurf. Das ist eine Realität; meine Realität und die vieler anderer auch.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Rentenkommission diskutiert schrittweise die Erhöhung des Renteneintrittsalters. Eine konkrete Einigung auf eine Rente mit 70 gibt es laut Handelsblatt und t-online noch nicht.
- Ein Bild-Bericht, der die Rente mit 70 bestätigte, wurde dementiert. Die Richtung des Ganzen ist jedoch klar: Das Renteneintrittsalter wird wahrscheinlich steigen.
- Empfehlungen kommen Ende Juni 2026, erst dann entscheidet die Politik.
- Betroffen wären alle ab Jahrgang 1990.
- Das System denkt in Durchschnittswerten: chronisch Kranke, Teilzeitarbeitende und Menschen mit Pflegeaufgaben fallen durchs Raster.
- Private Vorsorge ist keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit.
Rente mit 70? Das wird gerade diskutiert
Der Bild-Bericht, der besagte, dass die Rente mit 70 kommt, wurde dementiert. CDU-Bundestagsabgeordneter Pascal Reddig sagte, über die beschriebenen Punkte seien noch keine Beschlüsse getroffen worden. Das Bundessozialministerium schwieg. Und laut dem ZDF werden Informationen aus internen Runden oft gezielt nach außen gegeben, um Reaktionen zu testen oder die Öffentlichkeit vorzubereiten.
Die Empfehlungen der Rentenkommission kommen nämlich erst Ende Juni 2026. Und wer die letzten Jahrzehnte mitverfolgt hat, weiß: Die Richtung ist klar. Das Renteneintrittsalter wird steigen. Die Frage ist nur wann und auf welches Alter.
Bundeskanzler Merz hat bereits im April 2026 klar gesagt: Die gesetzliche Rente wird künftig nur noch als Basisabsicherung dienen. Die Rentenerhöhung zum 1. Juli 2026, die offiziell mit 4,24 Prozent beschlossen wurde, ist eine gute Nachricht. Aber sie schließt keine Rentenlücke. Sie ändert nichts an der Richtung.
Wer von der Rente mit 70 betroffen wäre
Nach den bisher berichteten Plänen wären alle von der Rente mit 70 betroffen, die nach 1990 geboren wurden. Das sind Millennials und Gen Z, also Personen, die gerade mitten im Leben stehen oder in die Arbeitswelt einsteigen.
Und dann sind da die Menschen wie ich. Ich lebe mit einer chronischen Erkrankung. Ich kann heute schon nicht Vollzeit arbeiten – nicht weil ich nicht will, sondern weil mein Körper es nicht zulässt. Ich habe gute Tage und schlechte Tage. Und ich weiß nicht, wie es in dreißig Jahren aussieht.
Das Problem dabei ist, dass das System in Durchschnittswerten denkt. Dabei vergisst es Personen wie:
- Chronisch Kranke
- Eltern, die wegen der Kinderbetreuung Jahrzehnte in Teilzeit gearbeitet haben
- Menschen, die Angehörige gepflegt haben – unbezahlt, aber systemrelevant
- Menschen mit Migrationshintergrund, die später ins Erwerbsleben eingestiegen sind
- Berufseinsteigern mit Zeitverträgen und prekären Verhältnissen
Diese Menschen kommen in der Debatte kaum vor. Dabei sind sie keine Randgruppe, sondern Millionen von Menschen und der blinde Fleck ist klar: Wer heute schon nicht Vollzeit arbeiten kann, wird es mit 70 erst recht nicht können.
Was Sie tun können, um nicht in die Altersarmut zu fallen
Ich könnte wütend sein und um ehrlich zu sein, bin ich es manchmal auch. Aber Wut ändert nichts an meiner Rentenbiografie.
Was sie ändert, sind bewusste Entscheidungen, die ich heute noch treffen kann. Ich sorge privat vor, mit dem, was möglich ist. Nicht perfekt, aber konsequent. Das Drei-Säulen-Modell ist nicht nur für Menschen mit stabilem Vollzeiteinkommen. Es ist für alle, auch für jene, die das System gerne vergisst.
Was ich konkret empfehle:
- Lesen Sie sich Ihre Renteninformation durch.
- Konsolidieren Sie bestehende Schulden. Wer hohe Raten zahlt, hat keinen Spielraum für Vorsorge. Eine Umschuldung kann das ändern.
- Behalten Sie das neue Altersvorsorgedepot ab 2027 im Blick. Dieses soll staatlich gefördert werden, soll auf ETFs basieren und ist ab 10 Euro im Monat möglich.
- Warten Sie nicht auf den perfekten Moment. Denn auch kleine Beträge werden über Jahre einen Unterschied machen. Mehr dazu: FOMO und Altersvorsorge.
Das System denkt in Durchschnittswerten. Mein Leben ist es nicht.
Alle dementieren. Das Ministerium schweigt. Und trotzdem bleibt die Richtung klar: Die Rente mit 70 ist nicht beschlossen, aber das Renteneintrittsalter wird höchstwahrscheinlich steigen.
Für mich als Jahrgang 1995 mit einer chronischer Erkrankung ist das keine abstrakte Debatte. Es ist eine konkrete Frage: Was passiert mit mir, wenn das System mich nicht trägt?
Die Antwort: Ich verlasse mich nicht darauf. Ich baue mir selbst etwas auf, mit dem, was möglich ist. Denn das ist die einzige Kontrolle, die ich habe.
Ich heiße Irini Diamanti und verbinde als SEO-Managerin bei der Hegner & Möller GmbH meine Leidenschaft aus SEO, Sprache und Finanzen. Zuvor sammelte ich Erfahrung im Journalismus und als Texterin. Dabei konnte ich meine Expertise in den Bereichen Politik, Sport, Medizin und Beauty vertiefen. In meiner Freizeit koche und backe ich leidenschaftlich gerne und genieße es, in spannende Bücher einzutauchen.