Die 12 SCHUFA-Kriterien 2026 einfach erklärt
Stellen Sie sich vor: Sie beantragen einen Kredit, haben keine Schulden, zahlen alle Rechnungen pünktlich und werden trotzdem abgelehnt. Nicht wegen einer Mahnung. Nicht wegen eines Inkasso-Eintrags, sondern weil Sie in den letzten drei Jahren zweimal umgezogen sind. Klingt ungerecht? Ist es vielleicht auch. Aber genau so funktionierte die SCHUFA jahrzehntelang und entschied über Kredite, Wohnungen und Handyverträge, ohne dass irgendjemand wirklich wusste, nach welchen Regeln. Rund 250 Kriterien flossen in die Bewertung ein – ganz geheim, nicht einsehbar, nicht anfechtbar.
Seit dem 17. März 2026 ist das vorbei, denn die SCHUFA hat ihr System grundlegend geändert und legt jetzt offen, was den Score beeinflusst. Nun sind es genau 12 Kriterien, mehr nicht. In diesem Beitrag gehen wir in jedes einzelne davon ein. So wissen Sie beim nächsten Kreditantrag genau, was Sie erwartet.
Was ist der SCHUFA-Score überhaupt?
Der SCHUFA-Score ist eine Zahl zwischen 100 und 999, die ausdrückt, wie wahrscheinlich es ist, dass Sie Ihre Rechnungen pünktlich bezahlen. Je höher die Zahl ist, desto besser sind Ihre Chancen. Banken, Vermieter und Mobilfunkanbieter schauen auf diesen Wert, bevor sie mit Ihnen einen Vertrag abschließen. Ein guter Score öffnet Türen, ein schlechter kann zu Absagen würfen.
Die Einstufung funktioniert so:
- 776–999 Punkte: Ihr Score ist hervorragend. Somit haben Sie die besten Chancen auf jeden Kredit.
- 709–775 Punkte: Ihr Score gilt als gut. Hierbei sind Kreditvergaben in der Regel problemlos.
- 642–708 Punkte: Akzeptabel. Kredit möglich, aber oft nicht zu den besten Konditionen.
- Unter 642 Punkte: Schwierig. Viele Banken lehnen hier ab.
Wichtig zu wissen: Wenn Sie offene, unbezahlte Forderungen haben, berechnet die SCHUFA gar keinen Score mehr. Stattdessen erscheint nur: „Kein Score vorhanden.“ Das ist in den Augen von Banken das schlechteste Signal überhaupt und somit schlimmer als ein niedriger Punktwert.
Die 12 Kriterien der SCHUFA und was sie wirklich bedeuten
Auf welchen Kriterien basiert die SCHUFA jetzt eigentlich und was bedeuten diese? Das erfahren Sie im Folgenden.
1. Zahlungsstörungen (bis zu 264 Punkte)
Das ist das wichtigste Kriterium der SCHUFA. Dabei bedeutet eine „Zahlungsstörung“ schlicht: Sie haben eine Rechnung nicht oder sehr spät bezahlt und das wurde der SCHUFA gemeldet. Das passiert zum Beispiel bei einer ignorierten Handyrechnung, einem Inkassofall oder einem Mahnbescheid vom Gericht.
Mit 264 möglichen Punkten ist dieses Kriterium fast doppelt so stark gewichtet wie das nächste. Wer hier Einträge hat, verliert am meisten.
Die gute Nachricht: Seit 2025 gibt es eine neue Regel. Wenn Sie eine offene Forderung innerhalb von 100 Tagen begleichen, wird der Eintrag bereits nach 18 Monaten gelöscht – früher dauerte das drei Jahre. Mehr dazu erklärt die SCHUFA in ihrer offiziellen Pressemitteilung. Wer also gerade einen alten Eintrag hat: Es lohnt sich, schnell zu handeln.
2. Wie viele neue Bankkonten und Kreditkarten haben Sie zuletzt beantragt? (bis zu 117 Punkte)
Wer innerhalb eines Jahres mehrere neue Girokonten oder Kreditkarten beantragt, wirkt auf die SCHUFA wie jemand, der dringend Geld braucht. Das senkt den Score.
Das bedeutet nicht, dass Sie niemals die Bank wechseln dürfen. Aber es lohnt sich, nicht jedes Bonusangebot mitzunehmen.
Wenn Sie Kreditangebote vergleichen möchten: Bitten Sie ausdrücklich um eine Konditionsanfrage nicht um eine Kreditanfrage. Der Unterschied klingt klein, ist aber entscheidend: Eine Konditionsanfrage ist für Ihren Score völlig neutral, eine Kreditanfrage nicht. Wenn Sie verschiedene Angebote gegenüberstellen möchten, können Sie das bequem über unseren Kreditvergleich tun. Denn bei uns werden grundsätzlich nur Konditionsanfragen gestellt.
3. Wie viele neue Verträge haben Sie außerhalb der Bank Sie abgeschlossen? (bis zu 99 Punkte)
Das klingt abstrakt, ist aber alltäglich: Wer im letzten Jahr einen neuen Handyvertrag abgeschlossen, ein Auto geleast und auf Raten eingekauft hat, sammelt hier Minuspunkte. Nicht weil das verboten wäre, sondern weil viele neue Verpflichtungen auf einmal als Risiko gelten.
Wenn Sie in absehbarer Zeit einen Kredit planen, lohnt es sich, in den Monaten davor keine unnötigen neuen Verträge abzuschließen.
4. Wie lange wohnen Sie schon an Ihrer aktuellen Adresse? (bis zu 94 Punkte)
Das überrascht viele: Ihre Wohnadresse beeinflusst Ihren Score. Wer seit zehn Jahren an derselben Adresse wohnt, bekommt mehr Punkte als jemand, der vor zwei Jahren umgezogen ist.
Warum das so ist? Ganz einfach: Stabilität im Wohnen deutet auf Stabilität im Leben hin. Für junge Menschen oder alle, die berufsbedingt öfter umziehen, ist das ein struktureller Nachteil – auch wenn sie finanziell absolut zuverlässig sind. Das ist einer der Punkte, an dem Verbraucherschützer das neue System nach wie vor kritisieren.
5. Wie alt ist Ihre älteste Kreditkarte? (bis zu 81 Punkte)
Wer seit Jahren dieselbe Kreditkarte hat und sie zuverlässig nutzt, bekommt hier Punkte. Die SCHUFA sieht das als Zeichen: Diese Person geht verantwortungsvoll mit Kredit um.
Zwei wichtige Details: Erstens zählen Debitkarten und Prepaid-Karten hier nicht, es muss sich um eine echte Kreditkarte mit Kreditrahmen handeln. Zweitens ist das ein Argument dafür, eine alte Kreditkarte nicht einfach zu kündigen, auch wenn man sie kaum noch nutzt.
6. Wie alt ist Ihr ältester Bankvertrag? (bis zu 69 Punkte)
Ähnliche Logik wie bei der Kreditkarte: Je länger Sie Ihr Girokonto oder einen anderen Bankvertrag haben, desto besser. Wer nach einem attraktiven Neukundenangebot die Bank wechselt und das alte Konto schließt, verliert hier möglicherweise Punkte – selbst wenn das finanziell eigentlich eine kluge Entscheidung war.
7. Wie viele neue Ratenkredite haben Sie zuletzt aufgenommen? (bis zu 66 Punkte)
Ein neuer Ratenkredit im letzten Jahr bedeutet: Sie haben aktuell mehr finanzielle Verpflichtungen als vorher. Das ist kein Verbrechen, aber es senkt kurzfristig den Score. Wer mehrere Ratenkredite gleichzeitig laufen hat, sollte das im Hinterkopf behalten, wenn er einen weiteren Kredit plant. In vielen Fällen kann ein Umschuldungskredit hier eine sinnvolle Lösung sein: mehrere Kredite zusammenfassen, eine übersichtliche Rate und oft sogar weniger Zinsen.
8. Wie lange müssen Sie Ihre laufenden Kredite noch abbezahlen? (bis zu 61 Punkte)
Ein Kredit, den Sie fast vollständig abbezahlt haben, wirkt sich besser aus als einer, der noch fünf Jahre läuft. Je kürzer die verbleibende Laufzeit, desto mehr Punkte erhalten Sie. Das ist ein Argument dafür, Kredite – wenn möglich – frühzeitig zurückzuzahlen.
9. Haben Sie einen Immobilienkredit? (bis zu 55 Punkte)
Das klingt zunächst seltsam: Ein Kredit soll sich positiv auswirken? Ja, weil ein Immobilienkredit bedeutet, dass eine Bank Sie bereits sehr genau geprüft und für kreditwürdig befunden hat. Das ist ein starkes Vertrauenssignal für alle anderen Kreditgeber.
10. Ist Ihre Identität bei der SCHUFA bestätigt? (bis zu 38 Punkte)
Das ist der einfachste Punkt auf der Liste und einer, den die meisten Menschen schlicht nicht kennen. Wer seine Identität einmal offiziell bei der SCHUFA bestätigt hat, bekommt dafür Punkte. Das geht kostenlos und in etwa zehn Minuten über den neuen SCHUFA-Account unter app.schufa.de per Online-Ausweis oder alternativ per Post.
Wenn Sie Ihren Score verbessern wollen, ist das der schnellste Schritt, den Sie heute noch erledigen können.
11. Wie alt ist Ihr jüngster Dispokredit oder Rahmenkredit? (bis zu 36 Punkte)
Ein frisch eingerichteter Dispo kurz vor einer Kreditanfrage kann den Score kurzfristig senken. Die Faustregel: Wenn Sie einen Kredit planen, sollten Sie in den Wochen davor keine neuen Kreditlinien beantragen – auch keinen höheren Dispo.
12. Bedienen Sie laufende Kredite ordentlich? (bis zu 19 Punkte)
Zahlen Sie Ihre Raten pünktlich? Dann bekommen Sie hier die volle Punktzahl. Dieser Punkt hat zwar die kleinste Gewichtung auf der Liste, aber er ist ein direktes Signal dafür, wie zuverlässig Sie gerade sind. Und zuverlässig ist am Ende das, worum es beim ganzen Score geht.
Was bedeutet das alles für Sie?
Kein einzelnes Kriterium macht oder bricht Ihren Score. Es ist das Zusammenspiel, das zählt. Wer pünktlich zahlt, seit Jahren an derselben Adresse wohnt und nicht ständig neue Verträge abschließt, hat in der Regel einen guten Score und das oft, ohne jemals bewusst darüber nachgedacht zu haben.
Aber was, wenn das bei Ihnen gerade nicht so ist? Vielleicht haben Sie einen alten Eintrag, der Sie verfolgt. Vielleicht sind Sie oft umgezogen oder haben in letzter Zeit mehrere Kredite aufgenommen. Vielleicht wurden Sie schon einmal abgelehnt, wissen nicht genau warum und fragen sich, ob ein Kredit trotz SCHUFA überhaupt möglich ist.
Das bedeutet nicht, dass Sie keinen Kredit bekommen können. Es bedeutet nur, dass eine normale Bank mit einem automatisierten System vielleicht nicht das richtige Werkzeug ist, um Ihre Situation zu bewerten.
Wenn Sie außerdem wissen möchten, wie Sie Ihren Score Schritt für Schritt aktiv verbessern können, lesen Sie unseren Beitrag: Bonität verbessern 2026: 7 wirkungsvolle Maßnahmen
Ich heiße Irini Diamanti und verbinde als SEO-Managerin bei der Hegner & Möller GmbH meine Leidenschaft aus SEO, Sprache und Finanzen. Zuvor sammelte ich Erfahrung im Journalismus und als Texterin. Dabei konnte ich meine Expertise in den Bereichen Politik, Sport, Medizin und Beauty vertiefen. In meiner Freizeit koche und backe ich leidenschaftlich gerne und genieße es, in spannende Bücher einzutauchen.