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Elektromobilität: Warum auf Norwegens Straßen mehr E-Autos als Verbrenner fahren

mehr E-Autos als Verbrenner

2020 wurden in Norwegen erstmals mehr E-Autos als Verbrenner neu zugelassen. Die Skandinavier kommen damit ihren hoch gesteckten Klimazielen ein Stück näher: Bis 2025 sollen in Norwegen nur noch Pkw und leichte Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb fahren.1 Deutschland scheint zurzeit noch weit davon entfernt zu sein, mehr E-Autos als Verbrenner zuzulassen. Obwohl Elektromobilität boomt, betrug der Anteil in 2020 nur 8,4 Prozent.

Warum kaufen die Norweger mehr E-Autos als Verbrenner?

Reiche Erdöl- und Erdgasvorkommen bilden den Grundstein für den heutigen Wohlstand Norwegens. Paradoxerweise verkauft Norwegen diese fossilen Energieträger und gewinnt fast seine komplette Energie aus umweltfreundlicher Wasserkraft. Daher ist es für Norwegen naheliegend, bei der Energiewende vorwiegend auf elektronische Antriebe zu setzen, als für Länder, die Strom in Kohlekraftwerken erzeugen.

Die norwegische Regierung unternahm schon Anfang der Neunziger Jahre Bestrebungen, langfristig mehr E-Autos als Verbrenner auf die Straßen zu bringen. So wurden Elektrofahrzeuge zunächst zeitlich befristet, später dauerhaft, von der Kfz-Kaufsteuer befreit. Diese kann in Norwegen bis zu 10.000 Euro betragen – je nachdem, wie groß und schwer ein Pkw mit Verbrennermotor ist und wie hoch der Abgasausstoß ist. Später strich die norwegische Regierung auch die Mehrwertsteuer auf den Autokauf und räumte Besitzern von E-Autos Sonderrechte im Straßenverkehr ein, zum Beispiel bei der Nutzung von Parkplätzen und Busspuren. Einige dieser Privilegien wurden zwar inzwischen abgeschafft, trotzdem lohnt es sich für die meisten Norweger, anstelle eines deutlich teureren Verbrenners ein E-Auto zu kaufen.

Welche Anreize gibt es für Autokäufer in Deutschland?

Mehr E-Autos als Verbrenner zuzulassen – das ist in Deutschland noch Zukunftsmusik. Zwar sieht man hierzulande auch immer mehr Fahrzeuge mit Elektro- oder Hybrid-Antrieb, jedoch blieb der Anteil nach Angaben des Center of Automotive Management (CAM) im Oktober 2020 mit 17,6 Prozent eher überschaubar. Der Anteil an reinen E-Autos beträgt lediglich 8,4 Prozent.

Damit bis 2025 mehr E-Autos als Verbrenner auf den Straßen fahren, setzt die Bundesregierung ebenfalls auf Anreize für Autokäufer. Wer sich bis Ende 2020 ein Elektroauto angeschafft hat, kann sich zehn Jahre lang die Kfz-Steuer sparen. Zudem erhält man den sogenannten Umweltbonus. Dieser liegt bei 9.000 Euro für reine E-Autos mit einem Listenpreis bis 40.000 Euro. Bei einem Listenpreis über 40.000 Euro beträgt die Prämie 7.500 Euro. Unternehmen, die ihren betriebseigenen Fuhrpark auf Stromer umstellen, unterstützt der Staat mit steuerlichen Vorteilen.

Die beliebtesten E-Autos in Norwegen

Bei den Neuzulassungen elektrisch angetriebener Fahrzeuge hatte 2020 der Volkswagen Konzern die Nase vorn.

ModellAnteil ZulassungenMarktanteil
Volkswagen ID.3247519,1%
Toyota Rav47065,5%
MG ZS5864,5%
Nissan Leaf5794,5%
Hyundai Kona5204,0%
Audi e-tron5134,0%
BMW i33732,9%
Polestar 23522,7%
Toyota Yaris (Hybrid)3372,6%
Mercedes-Benz EQC3322,6%2

Diese E-Autos sind die Lieblinge der Deutschen

Klein, aber oho: Seit seiner Erstauslieferung im Jahr 2013 führt der Renault Zoe regelmäßig die Spitze der Neuzulassungen bei den Stromern an. Auch zwischen Januar und Oktober 2020 war der Franzose hierzulande mit über 20.740 Neuzulassungen das meistverkaufte E-Auto. Den zweiten Platz sicherte sich der VW e-Golf mit 13.845 Neuzulassungen. Die Bronzemedaille holte das Tesla Model 3 mit 10.292 Exemplaren. Der koreanische Hersteller Hyundai belegte den vierten Platz. Der Elektroflitzer aus Fernost kam insgesamt 8.542 mal auf die Straße Die elektrische Variante des Smart Fortwo ist ebenfalls gut im Rennen und landet auf mit 7.038 Neuzulassungen auf dem fünften Platz.

Woran liegt es, dass in Deutschland nicht mehr E-Autos als Verbrenner auf die Straße kommen?

Die Norwegian Electric Vehicle Association, eine Lobbygruppe für Elektromobilität hat prognostiziert, dass E-Autos noch in diesem Jahr einen Marktanteil von 65 Prozent erreichen werden. So wie es zurzeit aussieht, ist dieses Ziel in greifbarer Nähe. Gleiches gilt für die Vorgabe, ab 2025 gar keine Verbrenner mehr zuzulassen. Die zahlreichen Vorteile und Kaufanreize fallen bei den skandinavischen Autokäufern auf fruchtbaren Boden. Allerdings muss das Land deutlich stärker in die Ladeinfrastruktur investieren, falls der Anteil an E-Autos so wie bisher ansteigt.

In Deutschland werden zwar ebenfalls immer mehr E-Autos zugelassen, jedoch ist deren Anteil an den Neuzulassungen bislang eher gering – daran ändern auch Kaufanreize und Boni nichts. Einer Befragung des Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmens Deloitte zufolge, führten Autokäufer folgende Argumente gegen die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs an: die hohen Anschaffungspreise, die geringe Reichweite und eine unzureichende Abdeckung mit Ladesäulen. Weiterhin kritisierten die Befragten, dass die Preisgestaltung bei den Ladesäulen undurchsichtig sei. Zudem müsse man sich als Fahrer eines E-Autos für die Nutzung möglichst vieler Ladestationen bei vielen verschiedenen Anbietern registrieren. Um mit den Norwegern gleichzuziehen und mehr E-Autos als Verbrenner auf die Straße zu bringen, sollte der Staat auch an diesen Stellschrauben drehen.

1 Tagesschau zu „Norweger kaufen mehr E-Autos als Verbrenner“ (Stand: 05.01.2021)
2 Ranking der meist verkauften Pkw-Modell und Marktanteil im Oktober 2020 in Norwegen ©OFV

Ich heiße Quang Lam und arbeite bei der Hegner Möller GmbH als Marketing Director. Ich interessiere mich sehr stark für die Themen Finanzen und Sport. In meiner Freizeit gehe ich gerne laufen und betreibe auch einen Laufblog. Ich schreibe für den creditSUN Blog nur über die Themen, die mich auch wirklich interessieren.

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