Rekordvermögen von zehn Billionen Euro: Wie viel sparen die Deutschen heute wirklich?
Über sechs Jahre – so lange ist der erste Lockdown mittlerweile hier. Die Pandemie hat uns so einiges gelehrt; dazu gehört unter anderem, dass wir Deutschen noch immer gut im Sparen sind. Denn damals (im Jahr 2020) stieg die Sparquote der privaten Haushalte zeitweise auf über 20 Prozent, weil Reisen, Restaurants und andere Erlebnisse wegfielen.
Heute, im Jahr 2026 hat sich die Lage normalisiert und die Sparquote liegt erneut auf einem Vor-Corona-Niveau. Gleichzeitig ist das Geldvermögen der Deutschen auf einen historischen Rekordwert von über 10 Billionen Euro gestiegen und doch fühlt sich das für viele nicht so an.
Wie passt das alles zusammen und was bedeutet das für Ihr Sparverhalten? Das besprechen wir in diesem Beitrag.
Wie berechnet man die Sparquote?
Bevor ich Ihnen beschreibe, wie man die Sparquote berechnet, ist es wichtig den Begriff „Sparquote“ zu definieren. Die persönliche Sparquote gibt nämlich an, welcher Anteil des verfügbaren Einkommens nach Steuern und Sozialabgaben nicht für den Konsum ausgegeben, sondern zurückgelegt wird.
Ein Beispiel dafür wäre: Bei einem verfügbaren Einkommen von 1.000 Euro und einer Sparquote von 10 %, legen Sie jeden Monat 100 Euro zur Seite – seit dies als Notfallgroschen in einem separaten Konto, unter dem Kopfkissen oder in eine Geldanlage wie ETFs, Aktie und Co.
Daneben gibt es die volkswirtschaftliche (Brutto-)Sparquote. Diese setzt das gesamte Sparvolumen ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Diese liegt in Deutschland traditionell höher als die individuelle, persönliche Sparquote.
Sparquote nach der Corona-Pandemie vs. 2020/ 2021
Das Statistische Bundesamt (Destatis) veröffentlicht die aktuelle Sparquote traditionell zum Weltspartag am 30. Oktober. Die Entwicklung zeigt deutlich, dass die Corona-Sparquote eine Ausnahme war.
| Zeitraum | Sparquote privater Haushalte |
| 2020/ 2021 (Corona-Jahre) | ca. 15,1 %, zeitweise sogar über 20 % |
| 2024 gesamt | 11,2 % |
| Q1 und Q2 2025 | 10,3 % |
| 2025 gesamt | 10,4 % |
| Q1 2026 | 10,1 % |
Diese Statistiken zeigen auf, dass die Sparquote sich wieder auf den Durchschnitt der Jahre seit 2000 bewegt. So legen die Haushalte heute im Schnitt knapp 270 € pro Kopf monatlich zur Seite.
Internationaler Vergleich
Im europäischen sparen die Deutschen weiterhin überdurchschnittlich viel. Die Bruttosparquote lag 2024 bei rund 20 %. Zum Vergleich: Der EU-Durchschnitt lag im selben Jahr bei 14,6 %.
| Land | Bruttosparquote (2024) |
| Deutschland | ca. 20,0 % |
| Frankreich | 17,9 % |
| Österreich | 17,3 % |
| Niederlande | 16,8 % |
| Italien | 11,9 % |
| EU-Durchschnitt | 14,6 % |
Warum wächst das Geldvermögen der Deutschen trotz sinkender Sparquote?
Es ist eigentlich ein Widerspruch: Die Sparquote sinkt seit 2024 leicht und trotzdem hat das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland Ende 2025 laut der DZ-Bank-Hochrechnung erstmals die Marke von 10 Billionen Euro überschritten. Das ist in Plus von 6,3 % zum Vorjahr. Die Bundesbank sprach von einem Geldvermögen von rund 9.389 Milliarden Euro. Im Quartal davor waren es 9.216 Milliarden Euro.
Dafür gibt es zwei mögliche Gründe:
- Konsequentes Sparen ist einer der möglichen Gründe. Denn obwohl die Sparquote leicht gesunken, sparen mehr Deutsche monatlich konsequent.
- Der DAX markierte im August 2026 mit über 26.500 Punkten ein neues Allzeithoch. Wer in Aktien oder ETFs investiert war, profitierte von erheblichen Kursgewinnen.
Ich muss jedoch betonen, dass das Geldvermögen in Deutschland ungleich verteilt ist. Etwas die Hälfte entfällt auf die vermögendsten zehn Prozent der Haushalte (rund vier Millionen Haushalte).
Warum sich dieses Rekordvermögen nicht real anfühlt
Viele haben die Nachrichten über das Rekordvermögen gelesen und haben das Gefühl gehabt, etwas stimme da nicht. Aber der Durchschnitt lügt nicht, denn dieses Hoch gibt es wirklich, allerdings täuscht diese Information. Denn – wie bereits erwähnt – verteilen sich diese 10 Billionen Euro nicht gleichmäßig auf die rund 40 Millionen Haushalte des Landes.
Ein kleiner, wohlhabender Teil zieht den Schnitt massiv nach oben, unter anderem, weil diese Haushalte in der Regel stärker in Aktien und Fonds investieren und dadurch vom Börsenboom profitieren.
Einkommensschwächere Haushalte sparen weniger bis gar nicht
Bei der Sparquote zeigt sich dasselbe Muster noch deutlicher: So sparen Haushalte im unteren Einkommensdrittel oft gar nicht oder sogar weniger als null, während Haushalte im oberen Zehntel regelmäßig Quoten von 20 bis 30 Prozent erreichen. Der Durchschnittswert von rund 10 Prozent täuscht demnach.
Dazu kommt ein zweiter Effekt, den viele im Alltag spüren: Gestiegene Lebenshaltungskosten – insbesondere Lebensmittel und Energie – fressen bei niedrigeren und mittleren Einkommen einen wachsenden Teil des Gehalts auf, noch bevor überhaupt ans Sparen zu denken ist.
Wer wenig oder kein Vermögen an der Börse hat, bekommt vom Rekordvermögen schlicht nichts mit. Das Gefühl, dass am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrigbleibt, ist für einen großen Teil der Haushalte deshalb keine gefühlte, sondern eine reale Lage.
Konsumschulden steigen
Zeitgleich macht sich in der deutschen Gesellschaft ein anderes Phänomen breit: Immer mehr Privatpersonen haben Konsumschulden. Aktuelle Auswerten sprechen von rund 5,7 Millionen überschuldeten Verbrauchern in Deutschland und steigenden Kreditausfällen bei Banken.
Die BaFin beobachtet dabei BNPL-Angebote wie Klarna als eigenes Risiko. Da kurzfristige Kleinkredite und Ratenzahlungen kaum wie „echte“ Kredite wirken, sind sie für viele Verbraucher der Einstieg in die Überschuldung. Die überarbeitet EU-Verbraucherkreditrichtlinie soll diese Lücke künftig schließen und auch Darlehen unter 200 Euro erfassen.
Das Rekordvermögen und wachsende Konsumschulden sind damit keine getrennten Trends, sondern zwei Seiten derselben Entwicklung: Wer bereits Rücklagen und Anlagen hat, profitiert vom Zinsniveau und Börsenboom zusätzlich. Wer dagegen mit gestiegenen Lebenshaltungskosten kämpft, gleicht Engpässe zunehmend über Dispo, Ratenkredite oder BNPL aus – und gerät dadurch tendenziell noch stärker unter Druck.
Seit der Coronapandemie: Aktien und ETFs sind „normal“ geworden
Die Coronapandemie markiert den Beginn einer neuen Aktienkultur in Deutschland. Diese wurde durch die Niedrigzinsen und den überraschend schnellen Börsen-Rebound nach dem Corona-Crash ausgelöst. Fünf Jahre später ist aus dem Trend Alltag geworden: ETF-Sparpläne gehören für viele jüngere Sparer heute zur Standardstrategie beim Vermögensaufbau, während klassische Tagesgeldkonten vor allem als flexibler Notgroschen dienen.
Ein weiterer Faktor, der 2026 auf die Spar- und Anlageentscheidungen wirkt: Nach der Leitzinserhöhung der EZB auf 2,25 Prozent sind Zinsen auf Spareinlagen zwar leicht gestiegen, liegen aber weiterhin unter der Inflationsrate. Das ist ein weiterer Grund, warum viele Sparer trotz Unsicherheit an der Börse investiert bleiben, statt ausschließlich auf Sichteinlagen zu setzen.
Ausblick: Wie geht es mit dem Sparen der Deutschen weiter?
Für 2026 rechnet die DZ-Bank mit einem weiteren Anstieg des Geldvermögens um gut vier bis fünf Prozent auf etwa 10,3 bis 10,5 Billionen Euro. Gleichzeitig dürfte die Sparquote tendenziell leicht sinken, während die absolute Ersparnis auf Vorjahresniveau bleibt.
Für die eigene Finanzplanung heißt das: Wer kurzfristig Liquidität braucht, ist mit einem Tagesgeldkonto gut beraten. Wer langfristig – über 10 bis 15 Jahre – Vermögen aufbauen will, kommt an einem breit gestreuten Aktien- oder ETF-Portfolio kaum vorbei. Die Erfahrung aus dem Corona-Crash 2020 gilt unverändert: Wer Panikverkäufe vermeidet und diszipliniert an seinem Sparplan festhält, hat historisch die besten Chancen auf eine Rendite deutlich oberhalb der Inflationsrate.
1 Studie der DZ Bank Research