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Geoscoring: Wieso der Wohnort Einfluss auf die Kreditvergabe hat

Geoscoring

Trotz ordentlichem Lohn und anstandsloser Schufa muss die Bonität nicht gut sein. Denn auch der Wohnort selbst kann eine Rolle spielen, ob die Kreditgeber zusagen oder lieber ablehnen. Das klingt im ersten Moment für viele nicht nachvollziehbar, doch für die SCHUFA gibt es, von Kreditgeberseite aus, durchaus plausible Gründe. Welche das sind und warum Geoscoring nur noch eingeschränkt angewendet werden darf, erfahren Sie hier!

Wenn der Wohnort die Bonität bestimmt

Sicherlich kennen auch Sie Städte, die überwiegend von finanziell schwächeren Menschen bewohnt werden oder als „Hot-Spots“ gelten.

Solche Städte fallen durch eine

  • höhere Arbeitslosigkeit,
  • geringeres Durchschnittseinkommen und
  • damit niedrigere Kaufkraft

in den Statistiken auf. Obwohl gerade dort häufig das Geld knapp ist, nimmt der Umstand, in einem solchen Gebiet zu wohnen, darauf Einfluss, ob ein Kredit gewährt wird oder nicht. Das „Geoscoring“ ist zwar sehr umstritten, aber noch immer nicht ganz von der Bildfläche verschwunden.

Was konkret bedeutet Geoscoring?

Geoscoring ist ein Sonderfall des SCHUFA-Scorings. Anstatt nur personenbezogene Daten wie Name, Geburtsdatum, Einkommen und einen Schufa-Abgleich heranzuziehen, um über die Vergabe eines Kredites zu entscheiden, spielt hier der Wohnort eine wichtige Rolle.

Brennpunkte für Arbeitslosigkeit, Sozialfälle, hohe Verschuldungsrate und Kriminalität werden mit finanziell besseren Gegenden verglichen.

Kreditgeber reagieren bei schwierigen Wohnorten gerne mit Zurückhaltung. Denn in einem schwierigen Umfeld ist die Wahrscheinlichkeit höher, den monatlichen Kreditverpflichtungen nicht nachkommen zu können. Das liegt nicht am einzelnen Kreditnehmer, sondern, wie erwähnt, an der Gesamtsituation: Statistisch gesehen ist die Gefahr in einem schwierigen Umfeld größer, in finanzielle Engpässe zu geraten oder arbeitslos zu werden und die Raten nicht mehr begleichen zu können.

Warum das Geoscoring umstritten ist

Was für die Ersteller und Benutzer des Geoscorings vieles vereinfacht, ist für die Betroffenen ein erhebliches Problem. Nicht jeder, der in einer sozial schwachen Gegend wohnt, entspricht dem dortigen Durchschnitt. Wenn viele Menschen in einem Stadtteil arbeitslos sind, kann es dennoch Menschen geben, die regelmäßig einer gut bezahlten Arbeit nachgehen, aber aus anderen Gründen ihren Wohnort nicht wechseln möchten oder können. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn sie dort ein Eigenheim oder eine Wohnung besitzen oder dort aufgewachsen und familiär verwurzelt sind. Im Falle des reinen Geoscorings kommt diesen Menschen ihr Einkommen nur untergeordnet zugute. Vorrangig sieht die Statistik lediglich, dass sie in einem Umfeld wohnen, welches dazu neigt, in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch diesen Menschen das passiert, scheint, statistisch gesehen, also relativ hoch. Kreditgeber überlegen es sich also zweimal, ob sie zusagen sollen oder nicht. Übrigens wird Geoscoring auch von Versicherungen angewandt: In Gegenden, die etwa zu Hochwasser oder anderen Umweltschäden neigen, können gesonderte Regeln gelten.

Geoscoring führt zur Benachteiligung

Es muss wohl nicht erwähnt werden, dass das Erstellen einer Bonitätsstatistik auf Grundlage örtlicher Voraussetzungen bewirkt, dass ganze Bevölkerungsgruppen innerhalb eines Wohnortes gegenüber anderen benachteiligt werden. Seitdem es die Europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gibt, ist Geoscoring nur noch eingeschränkt zulässig. So muss das Kreditunternehmen den Kreditnehmer vorher darüber informieren, dass er die Anschrift zur Durchführung von Wahrscheinlichkeitsberechnungen verwenden möchte. Die Anschrift allein darf außerdem nicht darüber entscheiden, ob ein Kredit gewährt wird oder nicht. Die persönlichen Voraussetzungen wie Einkommen und Schufa müssen mit einfließen. Auch die Durchführungsart des Geoscorings ist festgelegt: Das Verfahren, welches hierfür angewendet wird, muss wissenschaftlich anerkannt und damit nachvollziehbar sein.

Dank Datenschutzgrundverordnung nur noch eingeschränkt zulässig

Seit der DSGVO, die im Jahr 2018 eingeführt wurde, werden die personenbezogenen Daten aller EU-Bürger umfassend geschützt. Das hat zur Folge, dass Sie über die Verwendung Ihrer Daten informiert werden, bevor diese herangezogen werden. Somit haben Sie immer noch die Möglichkeit, das Geoscoring abzulehnen, indem Sie der Verwendung dieser Daten nicht zustimmen. Die DSGVO hat also den Zweck, bezogen auf die gesamte Anwendungsbreite und nicht nur auf die Kreditvergabe, Benachteiligungen zu vermeiden und Transparenz in die Verwendung personenbezogener Daten zu bringen, um Datenmissbrauch vorzubeugen. Trotz der neuen Bestimmungen im Bereich Geo- bzw. Kreditscoring fließt noch immer bei manchen Unternehmen der Wohnort mit in die Bewertung ein. Eine Kredit-Ablehnung wegen Ihres Wohnortes allein ist nicht mehr zulässig. Auch unzulässig ist es, aufgrund häufiger Wohnortwechsel abzulehnen, denn auch das wird negativ von der SCHUFA bewertet. Wenn Sie sicher gehen möchten, prüfen Sie selbst Ihre Bonität und versuchen Sie es bei einer Ablehnung mit einem anderen Anbieter.

Ihre Bonität können Sie vorab selbst überprüfen:

  1. Schufa-Auskunft einholen

Einmal im Jahr steht Ihnen eine kostenlose Schufa-Selbstauskunft zu. Diese können Sie bei der Schufa direkt online oder auf dem Postweg anfordern. So erfahren Sie allerdings nur Ihren aktuellen Schufa-Score, jedoch nicht, welche Daten dort neben Krediten, Ratenzahlungen, Mahn- und Vollstreckungsverfahren noch eingeflossen sind. Die Schufa hält die Berechnungsmethoden geheim.

  1. Schuldneratlas einsehen

Wenn Sie sich ein Bild darüber machen möchten, wie gut oder schlecht Ihr Wohnort in der deutschlandweiten Schuldnerstatistik abschneidet, können Sie den Schuldneratlas online einsehen. Dieser wird ein Mal im Jahr jeweils rückwirkend für das vorangegangene Jahr erstellt und ist online kostenlos abrufbar.

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