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EU will Kleingeld abschaffen – Was bedeutet das Aus von 1 und 2 Cent Münzen für uns?

Kleingeld abschaffen

Die EU-Kommission prüft aktuell die Abschaffung von Kleingeld. Wenn Kleingeld abgeschafft wird, kann es weitreichende Auswirkungen haben und erfordert eine konkrete, umfangreiche Planung. Die geplante Abschaffung des Kleinstgeldes hat Vorteile und selbstverständlich auch Nachteile. Die entscheidende Frage ist, was überwiegt und welche Auswirkungen hätte dies für uns Verbraucher? Sollte man also Kleingeld abschaffen?

Was spricht für die Abschaffung von Kleingeld?

Die Herstellungskosten für die 1 und 2 Cent Münzen übersteigen den Nennwert deutlich.

Eine 1 Cent Münze kostet in der Herstellung ungefähr 1,65 Cent.1

Bis ins Jahr 2013 hat die Herstellung der Kleinstmünzen bereits eine Summe von 1,4 Milliarden Euro gekostet. Neben den Herstellungskosten schlagen auch die Transportkosten ordentlich zu Buche. Durch die Abschaffung von Kleingeld  könnte eine unerhebliche Kostenersparnis in diesem Bereich erreicht werden. Die Insel Wangerooge erhält bereits kein Kleinstgeld mehr. Der Transport wurde zu teuer. Ebbe und Flut verhindern häufig einen Transport mit der Fähre, so mussten Flugzeuge eingesetzt werden. Auf Wangerooge werden die Beträge auf 5 Cent auf- oder abgerundet. Einige Nachbarländer wie Italien, die Niederlande, Belgien und Finnland zeigen, dass Kleingeld abschaffen möglich ist.

Kleingeld zählen ist extrem zeit- und arbeitsaufwendig und verursacht so auch einen erheblichen Kostenfaktor. Die Abschaffung von Kleingeld bedeutet weniger Aufwand und damit weniger Kosten. Ein Großteil des Kleinstgeldes wird gehortet oder geht schlicht und einfach verloren. Es müssen ständig neue Münzen geprägt werden. Seit dem Jahre 2002, dem Start des Euro, hat sich die Zahl der Kleinstgeldbestände vervierfacht. Ungefähr 51 Milliarden dieser Münzen sind nun im Umlauf. Die Münzen werden noch nicht einmal überall akzeptiert. Es existieren sogar Vorschriften und Gesetze, die die Annahmepflicht regeln und limitieren.

Neben den Kosten, die das Kleinstgeld verursacht, ist es einfach schwer und unpraktisch. Das lange Suchen an den Kassen fördert die Sympathie von anderen Kunden und den Kassierern nicht. Im Gegenteil, diese Münzen werden nicht besonders gerne angenommen. Nach der Abschaffung geht der Bezahlvorgang schneller und die Kassendifferenzen nehmen zwangsläufig ab. Und zu guter Letzt wird auch eine nicht unerhebliche Menge an Ressourcen durch dieses Kleinstgeld verbraucht.

Zwar wird in Deutschland immer noch häufig mit Bargeld bezahlt, aber immer mehr Leute setzen auf digitales Bezahlen, wie z.B. mit der EC-Karte, Kreditkarte oder dem Handy.

Das Kleingeld abschaffen – was spricht dagegen?

Die Mehrheit der Bundesbürger hat sich bei einer Kommissionsumfrage für die Abschaffung der Münzen ausgesprochen. Dennoch werden immer wieder kritische Stimmen laut. Zahlreiche Menschen sehen in der Abschaffung des Kleingeldes den ersten Schritt in die Abschaffung des Bargeldes an sich. Dies hätte drastische Folgen für zahlreiche Menschen und Bereiche des täglichen Lebens.

Bargeld bedeutet schließlich Sicherheit und Freiheit für den Einzelnen. Zahlungen mit der Karte oder dem Handy hinterlassen deutliche Spuren und liefern zahlreiche Daten. Dies bedeutet auch ein Stück weit einen Anonymitätsverlust. Auch der Faktor, dass 1 und 2 Cent Münzen in Deutschland eine hohe Akzeptanz in der BRD haben, macht die Entscheidung nicht leichter.

In vielen Geschäften befinden sich Spendenkasse für unterschiedliche wohltätige Einrichtungen. Diese sind häufig genau mit dem Kleinstgeld gefüllt. Nach einer Abschaffung dieser Münzen wären die Spendenkassen nach Meinung einiger vermutlich ziemlich leer.

Was bedeutet für uns Verbraucher das Aus von 1 und 2 Cent Münzen

Geplant ist eine Rundungsregel, bei der entweder auf- oder abgerundet wird. Auf längere Sicht soll es keine Preise mit dem Kleinstgeld mehr geben. Allerdings kann eine Abschaffung von 1 und 2 Cent Münzen zur einer schleichende Preiserhöhung führen. Die meisten Händler werden bei der Umstellung sicher den nächst höheren Preis und nicht die günstigere Variante wählen.2

Der Plan der EU: Was soll erreicht werden mit der Abschaffung des Kleingeldes?

Die Absicht, die hinter der Abschaffung des Kleingeldes steckt, ist in erster Linie eine Kosteneinsparung. Derzeit besitzt statisch gesehen jeder Bürger ca. 145 dieser Kleinstgeld Münzen. Das sind Münzen, die nicht mehr im Umlauf sind und neu geprägt werden müssen. Eine hohe Energie- und Ressourcenverschwendung kann durch die Abschaffung ebenfalls verhindert werden. Die Abwicklung an den Kassen wird schneller funktionieren.

Bei einer geeigneten Regelung von Seiten der Regierung sollte es eigentlich auch nicht zu einer schleichenden Preiserhöhung kommen. Einige Experimente haben durchaus positive Auswirkungen und eine Akzeptanz der Bürger gezeigt. Und ob die Spendenkassen tatsächlich leer bleiben oder die Beträge steigen, bleibt abzuwarten. Die Umsetzung macht sich ja auch nicht von heute auf morgen bemerkbar. Die Münzen bleiben gesetzliches Zahlungsmittel, werden jedoch nicht mehr ausgegeben. So verschwindet das Kleinstgeld nach und nach vom Markt. Das Kleingeld abschaffen – insgesamt überwiegen die Vorteile vermutlich deutlich.

1 Morgenpost zu „Aus für 1- und 2-Cent-Münzen: Was das für die Preise bedeutet“ (Stand: 28.01.2020)

2 Heise zu „EU-Kommision prüft Abschaffung von Kupfer-Kleingeld“ (Stand: 29.01.2020)

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