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Wird es bald einen Zinsdeckel für den Dispokredit geben?

Zinsdeckel für den Dispokredit

Die hohen Dispozinsen sind für viele Bankkunden ein Ärgernis. Für ihre Spareinlagen erhalten sie mickrige Zinsen, zugleich verlangen zahlreiche Banken einen Dispozins von über 10 %. Zunehmend mehr Parteien und Politiker halten diesen Zustand für untragbar und fordern einen Zinsdeckel für den Dispokredit. Vor wenigen Tagen haben die Verbraucherschutzminister der Bundesländer eine entsprechende Initiative beschlossen.

Dispozinsen auch in der Niedrigzinsphase extrem hoch

Seit über zehn Jahren befinden sich Guthaben- und Kreditzinsen auf einem historischen Tief, das liegt an der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Es gibt nur zwei Ausnahmen: Das sind der Dispozins sowie der Überziehungszins auf dem Girokonto. Den Dispozins zahlen Kunden bei der Nutzung des eingeräumten Kreditrahmens, den Überziehungszins bei einer kurzfristig geduldeten Überziehung. In der Praxis spielt der Zinssatz für den Dispozins die größere Rolle – angesichts weiterhin hoher Zinssätze verschärft sich der Streit um einen Zinsdeckel für den Dispokredit. Ende 2020 hat die Stiftung Warentest die aktuellen Dispozinsen von über 1.200 deutschen Banken verglichen und einen durchschnittlichen Zinssatz von 9,61 % errechnet.1 Die teuersten Anbieter fordern fast 15 %. Es ist nachvollziehbar, dass diese hohen Zinsen für Empörung sorgen.

Diskussion um maximalen Dispozins gewinnt an Fahrt

Bereits 2013 forderte der Bundesverband der Verbraucherzentralen einen Zinsdeckel für den Dispokredit. Seitdem haben sich immer mehr Parteien und Politiker diesem Anliegen angeschlossen. Die Grünen betrachten einen maximalen Zinssatz von 6 % als angemessen. Die SPD plädiert für eine Obergrenze von 6 Prozentpunkte über einem Referenzzinssatz wie dem EZB-Basiszinssatz. Ähnliches fordert die Linkspartei, welche die Dispozinsen bei 5 Prozentpunkte über dem Leitzins deckeln will. Zusätzlichen Rückenwind erhalten die Befürworter einer Höchstgrenze durch einen Beschluss, den jüngst die Verbraucherschutzminister der Bundesländer gefasst haben. Sie unterstützen einen Zinsdeckel für den Dispokredit. Verbindlich ist diese Entscheidung aber nicht – der Bundestag muss ein solches Gesetz beschließen.

Diese Argumente führen die Banken gegen einen Zinsdeckel an

Bankhäuser und Bankenverbände wehren sich vehement gegen eine Obergrenze für die Dispozinsen. Sie weisen einen Zinsdeckel für den Dispokredit als ungerechtfertigten Eingriff in die Marktwirtschaft ab. Zudem betonen sie, dass die momentanen Zinssätze angemessen seien. Die Bankenvertreter erklären dies mit dem hohen Risiko, welches sie bei flexiblen und unbesicherten Dispokrediten eingehen würden. Die tatsächlichen Kosten für Verbraucher halten sie für gering, weil die meisten Kunden ihr Konto nur für kurze Zeitspannen überziehen würden. Erst mit einer dauerhaften Nutzung des Dispos würde es teuer, dafür sei der Verfügungskredit aber nicht vorgesehen. Die Banken warnen vor einer falschen Verwendung des Dispokredits: Wer längerfristig Geld benötige, solle einen günstigen Ratenkredit abschließen.

Wie stehen die Chancen für eine Begrenzung der Dispozinsen?

Momentan gibt es im Bundestag keine Mehrheit für eine Obergrenze. In der Regierungskoalition tritt die SPD für einen Zinsdeckel ein, CDU und CSU sehen diese Notwendigkeit nicht. Die Union möchte das Problem mit mehr Transparenz und effektiveren Marktkontrollen lösen. Bis zur Bundestagswahl im Herbst dürfte sich an der Blockadehaltung der Union nichts ändern. Anschließend kommt es darauf, wie die Wahl ausgeht und welche Parteien eine Koalition bilden. Viel spricht dafür, dass es eine umstrittene Frage bleibt. Bei einer möglichen schwarz-grünen oder grün-schwarzen Koalition würde sich dasselbe Bild wie bei der aktuellen Regierung aus Union und SPD ergeben: Die einen (Union) lehnen einen Zinsdeckel für den Dispokredit ab, die anderen (SPD und Grüne) wollen ihn rasch beschließen.

Dispokredit lohnt sich trotz Zinsdeckel nicht!

Ein Dispo auf dem Girokonto ist praktisch. Auch wenn vorübergehend kein Guthaben auf dem Konto ist, können Sie Geld abholen, Überweisungen tätigen und bargeldlos bezahlen. Der Dispokredit ist aber teuer, das würde bei einem begrenzten Zinssatz von 6 bis 7 % ebenfalls gelten. Verwenden Sie den Überziehungsrahmen ausschließlich, um wenige Tage oder Wochen finanziell zu überbrücken! Kostspielig wird es, wenn Sie sich mit Ihrem Konto dauerhaft im Minus finden. Beträgt der durchschnittliche Dispokredit im Jahr zum Beispiel 1.000 Euro, fallen selbst bei einem Zinsdeckel 60 bis 70 Euro Zinsen an. Bei den aktuellen Konditionen summieren sich die Kosten häufig auf über 100 Euro. Bedenken Sie zudem, dass die Bank den Dispo jederzeit mit einer kurzen Frist kündigen kann. Zu diesem Mittel greifen die Institute meist, wenn sich die Bonität von Kunden verschlechtert hat. Im schlimmsten Fall droht dann eine Kontopfändung. Dieses Risiko meiden Sie mit einer vorsichtigen Nutzung des Disporahmens!

Ich heiße Martina Lange und schreibe mit Vorliebe journalistische Texte rund um die Themen Finanzen und Medizin. Außerdem liebe ich es, Fachartikel jeglicher Art zu schreiben. Ich finde mich in beinahe jedes Thema ein und freue mich immer, wenn ich nach der Fertigstellung eines Textes über noch mehr Wissen verfüge. Als freiberufliche Autorin schreibe ich leidenschaftlich gern für creditSUN.

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