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Firmenwert ermitteln – Wie viel ist Ihr Unternehmen wert?

Firmenwert

Wird ein Unternehmen entgeltlich erworben, muss in der Bilanz des Käufers der Firmenwert des gekauften Unternehmens ausgewiesen werden. Der Firmenwert, der auch als Geschäftswert oder als Unternehmenswert bezeichnet wird, ist kein körperlicher Gegenstand. Der Bilanzposten zählt zu den immateriellen Vermögensgegenständen eines Unternehmens. Der Bilanzausweis erfolgt auf der Aktivseite unter den Posten des Anlagevermögens. Deshalb werden größtenteils auch Prognosen herangezogen, die am Ende den Firmenwert darstellen. Wieso es wichtig ist, den eigenen Geschäftswert zu kennen, erfahren Sie in  diesem Artikel.

Wie wird der Firmenwert definiert?

Die Definition des Geschäfts- oder Firmenwerts (GoF) ergibt sich aus der Vorschrift des § 246 Absatz 1 Satz 4 Handelsgesetzbuch. Hiernach stellt der GoF die Differenz zwischen dem gesamten Wert des Unternehmens und der Summe der einzelnen Vermögensgegenstände abzüglich der Schulden im Zeitpunkt der Übernahme dar. Liegt ein originärer Geschäftswert vor, hat das eigene Unternehmen diesen selber geschaffen. Der Goodwill wird in diesem Fall durch den Kundenstamm und die Marke des Unternehmens repräsentiert. Ein derivativer Firmenwert wurde entgeltlich erworben.

Die relevanten Faktoren zur Ermittlung des Geschäftswerts sind der Wert des gesamten Unternehmens und alle Aktiva und Passiva. Ergibt sich bei der Ermittlung ein positiver Wert, wird dieser als Goodwill bezeichnet. Ist der Unternehmenswert negativ, handelt es sich um einen Badwill.

Geschäftswert spielt beim Verkauf der Firma eine wichtige Rolle

Der Firmenwert wird nur bestimmt, wenn ein Unternehmen im Ganzen verkauft wird. Beim Verkauf von Unternehmensteilen wird der Firmenwert oft herangezogen, um einen Kaufpreis festzulegen. Neben dem Wert des Unternehmens und allen Aktiva und Passiva wird ein Unternehmenswert durch folgende Faktoren beeinflusst:

  • Wie sehen die Zukunftsaussichten für das Unternehmen aus?
  • Welche Wettbewerber müssen im Auge behalten werden?
  • Auf welche technologischen Veränderungen muss reagiert werden?
  • Wie sieht die Produktpalette des Unternehmens aus?
  • Kann sich das Unternehmen von der Konkurrenz abheben? Werden diese Fragen verneint, fällt die Unternehmensbewertung schlechter aus.
  • Wie sieht die Kundenstruktur des Unternehmens aus? Gibt es einen breiten Kundenkreis, mit dem das Unternehmen gut aufgestellt ist?

Die Beantwortung der Fragen kann entscheidend für den Verkauf sein und kann bei der Ermittlung des Firmenwerts eine wichtige Rolle spielen.

Die Ermittlung des Firmenwerts

Ein Firmenwert lässt sich auf verschiedene Arten ermitteln. Vorgestellt werden das Ertragswertverfahren und das Ebit-Verfahren.

Das Ertragswertverfahren

Wird das Ertragswertverfahren angewendet, wird der Firmenwert nach dem bemessen, was ein Investor an dem Kauf des Unternehmens verdienen kann. Dabei bilden der Durchschnitt der Erträge aus den letzten drei Jahren und die prognostizierten Erträge für die kommenden drei Jahre die Basis der Ermittlung. Die Summe der Erträge wird durch den Kapitalisierungszinssatz dividiert. Der Kapitalisierungszinssatz setzt sich aus dem Basiszinssatz und einem Zuschlag für das Unternehmerrisiko zusammen. Soll ein kleines Unternehmen verkauft werden, liegt der Zinssatz zwischen zehn und fünfzehn Prozent. Belaufen sich die durchschnittlichen Erträge auf 1 Millionen Euro und liegt das Unternehmerrisiko bei zehn Prozent, ergibt sich ein Unternehmenswert von 1,1 Millionen Euro.

Wird der Geschäftswert auf diese Weise ermittelt, ergeben sich zwei Nachteile. Die zukünftigen Erträge sind nur schwer vorherzusehen. Der Zinssatz lässt sich nicht objektiv feststellen.

Das Ebit-Verfahren

Bei dem Ebit-Verfahren spielt der Gewinn des zu verkaufenden Unternehmens eine entscheidende Rolle. Um den Firmenwert zu ermitteln, wird der Gewinn mit einem Faktor multipliziert. Bei einem Gewinn von 200.000 Euro und einem Faktor 4 ergibt sich ein Geschäftswert (Ebit) von 800.000 Euro.

Der angewandte Faktor ist branchenabhängig. In regelmäßigen Abständen wird er neu ermittelt.

Die Abschreibung des Goodwill

Ein positiver Firmenwert kann nach den Vorschriften des Handelsrechts zwischen fünf und zehn Jahren abgeschrieben werden. Wie lange die tatsächliche Abschreibungsdauer läuft, liegt im Ermessen des Unternehmens. Besteht eine dauerhafte Wertminderung – das gekaufte Unternehmen erweist sich als unrentabel -, ist das strenge Niederstwertprinzip zu beachten. Dies bedeutet, der GoF ist außerplanmäßig abzuschreiben.

Welche Relevanz hat der Firmenwert für Unternehmer und Investoren?

Jeder Unternehmer möchte wissen, was sein Unternehmen wert ist. Besonders wenn Sie als Selbständiger Ihr Unternehmen verkaufen wollen, was Sie für Ihre Firma erhalten. Für die Suche nach einem Käufer können verschiedene Wege gegangen werden.

Datenbanken und Netzwerke geben Auskunft über solvente Manager, die die Führung eines eigenen Unternehmens anstreben. Der Unternehmer kann sich auch bei seiner Konkurrenz umsehen. Für den Übernehmenden lohnt sich das Angebot aus doppelter Sicht. Er besitzt ein Unternehmen, was zu seiner Branche passt und hat einen Konkurrenten weniger. Um in einer besseren Verhandlungsposition zu sein, sollte der Verkäufer mehr als ein Angebot machen. Weist sein Unternehmen einen guten Geschäftswert auf, stärkt dies seine Position.

Wichtiges zum Firmenwert

Wird ein Unternehmen oder Unternehmensanteile verkauft, muss der Geschäftswert bestimmt werden. Der GoF kann durch das Ertragswertverfahren oder das Ebit-Verfahren ermittelt werden.

Der Goodwill wird durch Gegenüberstellung des Wertes für das gesamte Unternehmen und aller Vermögensgegenstände abzüglich der Schulden ermittelt. Darüber hinaus bilden die Faktoren Zukunftsaussichten, Produktpalette, Kundenstruktur und Personal wichtige Größen.

Der Firmenwert spielt für Unternehmer und Investoren eine entscheidende Rolle. Umso höher er ist, desto besser steht das Unternehmen da. Dies ist für beide Seiten ein Gewinn.

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