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Krankenversicherung für Selbstständige – Privat oder gesetzlich versichern?

Krankenversicherung für Selbstständige

Bis vor einigen Jahren herrschte noch keine Krankenversicherungspflicht. Diese Lücke füllte der Gesetzgeber im Jahre 2009 durch eine Reform des Gesundheitssystems. Zu hoch schätzte der Bund das Risiko eines finanziellen Ruins durch gesundheitliche Probleme ein. Anders als normale Arbeitgeber sind Freiberufler und Selbstständige nicht über einen Arbeitgeber versichert. Neben anderen Bedingungen gelten für Selbstständige auch höhere Beträge. Folgende Möglichkeiten bestehen bei der Wahl der Krankenversicherung für Selbstständige. Sowohl die private als auch die gesetzliche hat Vor- und Nachteile.

Welche Möglichkeiten gibt es bei der Krankenversicherung für Selbstständige?

Die Abschaffung der Krankenversicherungspflicht für Selbstständige ist vom Bund nicht geplant und steht auch in naher Zukunft nicht zur Debatte. Sie können sich privat oder gesetzlich versichern als Selbstständiger. Insofern noch keine private Krankenversicherung bestand, besteht für den Selbstständigen die freie Wahl zwischen beiden Krankenversicherungen. Welche Form der Krankenversicherung für Selbstständige zu empfehlen ist, lässt sich nicht pauschal bestimmen. Welche Form sich für Sie lohnt, hängt von mehreren Faktoren wie der finanziellen und familiären Situation ab.

Privat oder gesetzlich versichern als Selbstständiger?

Die Beiträge für die Krankenversicherung für Selbstständige sind grundsätzlich um einiges teurer als die Beiträge, die ein Arbeitnehmer zu zahlen hat. In Deutschland tragen Arbeitgeber die Hälfte des Beitragssatzes. Dieser Satz liegt bei 14,6 Prozent. Das Paritätsprinzip gilt für Selbstständige nicht. Sie müssen den vollen Beitrag aus eigener Tasche zahlen. Künstler und Publizisten stellen die Ausnahme der Regel dar. Sie haben die Möglichkeit, sich über die sogenannte Künstlersozialkasse zu versichern. Diese übernimmt den Part des Arbeitnehmers und damit einen großen Teil des Versicherungsbeitrags.

Welche Vorteile und Risiken bietet die private Krankenversicherung für Selbstständige?

Wer sich privat als Selbständiger versichern möchte, den locken vor allem niedrige Beitragszahlungen und lukrative Leistungen. Für die meisten Selbstständigen sind die Beiträge der freiwilligen gesetzlichen Versicherung deutlich zu hoch. Die Versicherungsbeiträge der privaten Versicherung richten sich nicht nach dem Einkommen, sondern nach den in Anspruch genommenen Leistungen und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Versicherten. Auch können Versicherte durch eine bessere Behandlung beim Arzt profitieren. Vor allem jüngere Selbstständige finden schnell verlockende Angebote, die nur einen Bruchteil der Beiträge einer freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung kosten. Vor allem wohlhabende Gutverdiener treffen mit der privaten Krankenversicherung die richtige Wahl, da sich bares Geld sparen lässt.

Leider ist die private Krankenversicherung mit einigen Risiken behaftet. Zum einen sind Kinder in der privaten Versicherung nicht mitversichert. Eine grundsätzlich kostenfreie Familienversicherung existiert nicht. So können schnell höhere Kosten entstehen. Sollte das Geschäft in den kommenden Jahren nicht mehr gut laufen oder verschlimmert sich der Gesundheitszustand, können die Kosten ebenfalls schnell überhand nehmen. Ein Wechsel in die gesetzliche Versicherung gestaltet sich als schwierig. Ein Wechsel ist nur dann noch möglich, wenn Versicherte ihre Selbständigkeit aufgeben und sich vor dem 55. Lebensjahr eine versicherungspflichtige Anstellung suchen.

Vorteile Nachteile
Niedrige Beitragszahlungen und lukrative Leistungen Kinder sind nicht in der privaten Versicherung mitversichert
Versicherungsbeiträge richten sich nicht nach dem Einkommen, sondern nach in Anspruch genommenen Leistungen Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung gestaltet sich oft schwierig
besonders wohlhabende Gutverdiener lohnt sich eine private Krankenversicherung

 

Gesetzlich als Selbständiger versichern – Vorteile und Risiken

Wer sich gesetzlich als Selbständiger versichern möchte, der muss in erster Linie mit hohen Beitragszahlungen rechnen. Da kein Arbeitnehmer existiert, müssen Selbständige die vollen Kosten eigenständig bezahlen. Durch den Wegfall von Krankentagegeld lässt sich der Beitragssatz auf 14 Prozent senken. Dazu kommt noch der individuelle Zusatzbeitrag der Krankenkasse. Der Maximalbetrag für freiwillig gesetzlich Versicherte liegt bei ungefähr 750 Euro. Dieser Beitrag wird dann fällig, wenn das monatliche Einkommen über knapp 4500 Euro brutto liegt. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach dem Einkommen des Selbständigen.

Allerdings umfasst die freiwillige gesetzliche Versicherung eine kostenfreie Familienversicherung. Vorhandene Kinder sind daher grundsätzlich mitversichert. Wer am Anfang seiner Selbständigkeit steht, kann zur Existenzgründung einen Zuschuss des Jobcenters beantragen. Der Wechsel von der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung in die private Krankenversicherung ist jederzeit möglich.

Vorteile Nachteile
Kostenfreie Familienversicherung Hohe Beitragszahlungen
Wechsel von der gesetzlichen zur privaten Krankenversicherung ist jederzeit möglich Höhe der Beiträge richtet sich nach Einkommen (bei hohen Umsätzen sollten Sie zu einer privaten Krankenversicherung wechseln)

 

Private Krankenversicherung für Selbständige – was geschieht nach einer Insolvenz?

Egal ob Sie sich privat oder gesetzlich versichern als Selbständiger, den Versicherungsschutz verliert man in Deutschland auch nicht nach einer Insolvenz. Im Falle eines Bankrotts können Sie über einen Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung nachdenken. Eine Rückkehr ist nur unter bestimmten Bedingungen möglich. Unter anderem muss das Einkommen unter einer Versicherungspflichtgrenze von 60.750 Euro brutto jährlich liegen. Übersteigt das Einkommen diese Grenze, verbleiben Versicherte in der privaten Krankenversicherung.

Was Sie über die private und gesetzliche Krankenversicherung als Selbstständiger wissen sollten!

Eine private Krankenversicherung für Selbständige wartet mit einigen Vorteilen auf. Vor allem gesunde Selbständige mit hohem Einkommen können von den deutlich niedrigeren Beitragszahlungen profitieren. Versicherer haben die Möglichkeit auf individuelle Tarife, da Zusatzleistungen wie ein Selbstbehalt oder eine bevorzugte Behandlung im Krankenhaus optional dazu gebucht werden können. Allerdings gestaltet sich ein Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung als schwierig. Sie sollten daher genau überlegen, ob Sie sich als Selbstständiger privat versichern lassen wollen.

Die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung für Selbständige ist deutlich kostspieliger für Versicherer, bietet aber einen allgemeinen Grundschutz für die gesamte Familie. Das Risiko vor allem im Alter mit hohen Kosten konfrontiert zu sein, sinkt durch die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung für Selbständige.

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